Eine Hochzeit soll zu den schönsten Tagen im Leben zweier Menschen gehören. Doch manchmal beginnt der Stress schon lange vor der eigentlichen Feier. Nicht etwa wegen der Location, der Musik oder des Hochzeitsessens, sondern wegen Menschen, die es vermeintlich besonders gut meinen.
Die Mutter erklärt, welche Verwandten unbedingt eingeladen werden müssen. Die Trauzeugin hat auf Pinterest etwas entdeckt, das auf keinen Fall fehlen darf. Freunde haben genaue Vorstellungen von der Musik. Und irgendwo fällt dann dieser Satz, den ich in meinen Beratungsgesprächen immer wieder höre: „Das müsst ihr doch machen!“
Was als gut gemeinter Ratschlag beginnt, kann für ein Brautpaar schnell zu einer enormen Belastung werden.
Ich erlebe seit vielen Jahren, wie sehr sich manche Paare durch die Erwartungen ihrer Familien und Freunde unter Druck gesetzt fühlen. Es gab sogar Gespräche, in denen Bräute am Telefon geweint haben, weil sie irgendwann nicht mehr wussten, wie sie es allen recht machen sollten.
Dabei gibt es eine Antwort, die ich meinen Brautpaaren immer wieder mit auf den Weg gebe.
Natürlich dürfen sich Eltern, Geschwister, Trauzeugen und Freunde freuen, mitdenken und ihre Unterstützung anbieten. Eine Hochzeit lebt schließlich auch von den Menschen, die mitfeiern.
Aber zwischen Unterstützung und Einmischung liegt ein gewaltiger Unterschied.
Nur weil jemand selbst einmal geheiratet hat, schon auf vielen Hochzeiten eingeladen war oder im Internet eine besonders schöne Idee entdeckt hat, entsteht daraus kein Recht, dem Brautpaar Vorschriften zu machen.
Eine Empfehlung ist kein Mitspracherecht. Und ein gut gemeinter Rat ist keine Anweisung.
Wer einen Vorschlag hat, kann zunächst ganz einfach fragen: „Darf ich euch eine Idee mitgeben?“ Oder: „Interessiert euch, welche Erfahrungen ich damit gemacht habe?“
Wenn das Brautpaar diese Meinung hören möchte, wunderbar. Wenn nicht, sollte man das genauso respektieren.
Besonders häufig erlebe ich in meiner Arbeit, dass sich Eltern sehr intensiv in die Hochzeitsplanung ihrer Kinder einbringen möchten. In meinen persönlichen Beratungsgesprächen betrifft das auffallend oft die Mütter der Bräute.
Ich nenne besonders überengagierte Mütter manchmal augenzwinkernd „Queenzillas“. Nicht jede engagierte Mutter ist damit gemeint. Viele Eltern unterstützen ihre Kinder auf wunderbare Weise. Schwierig wird es erst, wenn aus Unterstützung der Anspruch entsteht, selbst bestimmen zu dürfen.
Ein Teil dieser Erwartungen stammt möglicherweise aus einer anderen Zeit. Früher war es in vielen Familien üblich, dass die Eltern der Braut die Feier finanzierten, Gäste auswählten oder maßgeblich über das Programm entschieden.
Doch selbst wenn solche Traditionen in einer Familie lange gelebt wurden, müssen sie nicht automatisch für die nächste Generation gelten.
Eine Hochzeit ist kein Pflichtprogramm, das nach den Erinnerungen der Eltern gestaltet werden muss.
Und der Satz „Das gehört sich so!“ ist für mich allein noch keine überzeugende Begründung.
Wen muss man zur Hochzeit einladen?
Eine Frage, die bei solchen Konflikten immer wieder auftaucht, betrifft die Gästeliste.
„Du musst doch Tante Elfriede einladen!“
„Onkel Hermann gehört schließlich zur Familie!“
„Wir waren damals auch auf der Hochzeit ihrer Kinder!“
Solche Argumente höre ich immer wieder. Aber ich frage meine Brautpaare dann gerne etwas anderes:
Wer fragt von sich aus, wie es Ihnen geht? Mit wem haben Sie Kontakt? Mit wem teilen Sie schöne und schwierige Momente? Wer liegt Ihnen wirklich am Herzen?
Natürlich muss eine gute Beziehung nicht bedeuten, dass man sich jede Woche sieht oder zu jedem Geburtstag telefoniert. Manche Menschen stehen sich auch über große Entfernungen hinweg sehr nahe.
Aber eine Verwandtschaftsbezeichnung allein schafft noch keine persönliche Nähe.
Wenn seit Jahren praktisch kein Kontakt besteht, darf ein Brautpaar durchaus hinterfragen, ob eine Einladung wirklich dem eigenen Wunsch entspricht oder nur den Erwartungen anderer.
Hinzu kommt: Eine Hochzeitsfeier bietet kaum Gelegenheit für ausgedehnte persönliche Gespräche mit jedem einzelnen Gast. Je größer die Gesellschaft, desto knapper wird die gemeinsame Zeit.
Deshalb rate ich dazu, die Gästeliste nicht ausschließlich nach familiären Verpflichtungsgefühlen zusammenzustellen.
Und dabei ist mir eine Unterscheidung besonders wichtig:
Wer nie eine Einladung erhalten hat, wurde nicht ausgeladen. Das klingt vielleicht selbstverständlich, wird bei familiären Diskussionen aber erstaunlich oft miteinander verwechselt.
Auch bei Trauzeugen und Trauzeuginnen können Erwartungen aufeinanderprallen.
Wer gefragt wird, ob er diese besondere Rolle übernehmen möchte, darf sich zunächst einmal geehrt fühlen. Gleichzeitig sollte aber geklärt werden, was das Brautpaar sich von dieser Unterstützung überhaupt erhofft.
Nicht jedes Paar erwartet dasselbe. Und nicht jeder Trauzeuge kann oder möchte dieselben Aufgaben übernehmen.
Was allerdings nicht zusammenpasst: Eine Rolle anzunehmen und anschließend dem Brautpaar vorzuschreiben, wie es seine Hochzeit gestalten soll.
Ich habe tatsächlich erlebt, dass Trauzeuginnen sehr genaue Vorstellungen vom Ablauf hatten, während die Braut selbst diese Ideen überhaupt nicht wollte.
Das kann für eine Freundschaft belastend werden, gerade weil es vielen Bräuten schwerfällt, einer engen Freundin klar zu sagen: „Danke, aber das möchten wir nicht.“
Hier gilt für mich derselbe Grundsatz wie bei den Eltern:
Und wenn unterschiedliche Erwartungen an die Aufgaben bestehen, sollte man möglichst früh offen darüber sprechen.
Auch bei der Musik zeigt sich schnell, wie unterschiedlich die Vorstellungen sein können.
Ich habe Hochzeiten erlebt, bei denen die Tanzfläche voll war, die Gäste gemeinsam gesungen, gelacht und gefeiert haben und sich trotzdem einzelne Angehörige beschwerten, weil ihre persönliche Lieblingsmusik nicht oft genug vorkam.
Natürlich ist es sinnvoll, bei einer Hochzeitsfeier unterschiedliche Generationen musikalisch im Blick zu behalten. Aber daraus entsteht kein Anspruch einzelner Gäste, die gesamte Musikauswahl zu bestimmen.
Für mich gilt eine klare Grenze:
Selbst dann nicht, wenn ein Gast überzeugt ist, dass genau dieses Lied überall für Begeisterung sorgt.
Ein Musikwunsch ist ein Wunsch. Keine Bestellung und schon gar keine Anweisung.
Auch die Kleidung der Gäste kann zum Streitpunkt werden.
Manche Brautpaare wünschen sich eine bestimmte Farbrichtung oder möchten, dass einzelne Farben vermieden werden. Andere beschränken sich auf wenige grundlegende Hinweise.
Ich finde: Ein Brautpaar darf seine Wünsche zum Erscheinungsbild der Feier freundlich kommunizieren. Schließlich steckt oft sehr viel Überlegung, Mühe und Geld in der Gestaltung dieses Tages.
Dabei sollte natürlich niemand gezwungen werden, teure Markenbekleidung zu kaufen oder sich für die Feier finanziell zu übernehmen.
Aber wer eingeladen ist, kann einen vernünftigen Wunsch zumindest respektvoll aufnehmen, statt ihn sofort als unzulässige Vorschrift abzutun.
Auch hier geht es letztlich nicht um die Frage, wer sich durchsetzen kann, sondern um gegenseitige Rücksichtnahme.
In meinen Gesprächen verwende ich gerne einen Ausdruck, der zunächst vielleicht etwas ungewöhnlich klingt:
Nicht rücksichtslos. Nicht unhöflich. Und schon gar nicht respektlos gegenüber Menschen, die Ihnen nahestehen.
Aber Sie dürfen Ihre eigenen Wünsche ernst nehmen.
Eine Hochzeit lässt sich nicht einfach im nächsten Jahr wiederholen, weil man im Nachhinein festgestellt hat, dass man zu viele Entscheidungen anderen Menschen überlassen hat.
Bei einer Geburtstagsfeier kann man manches beim nächsten Mal anders machen. Die eigene Hochzeit mit diesem Partner oder dieser Partnerin ist dagegen ein ganz besonderer, in dieser Form einmaliger Anlass.
Deshalb dürfen Sie freundlich, aber bestimmt sagen:
Sie müssen nicht jede Entscheidung endlos erklären, rechtfertigen oder zur Abstimmung stellen.
Und wenn jemand enttäuscht ist, weil seine persönliche Vorstellung nicht umgesetzt wird, bedeutet das nicht automatisch, dass Sie etwas falsch gemacht haben.
Ein Wunsch an Eltern, Trauzeugen, Familie und Freunde
Wenn Sie einem Brautpaar wirklich helfen möchten, stellen Sie zuerst eine einfache Frage:
Vielleicht freut sich das Paar über Ihre Erfahrungen. Vielleicht sucht es gerade selbst nach einer Lösung. Vielleicht hat es sich aber auch längst entschieden.
Dann ist die schönste Unterstützung manchmal, diese Entscheidung einfach stehen zu lassen.
Sie müssen nicht jede Idee durchsetzen, um zu zeigen, dass Ihnen die beiden Menschen wichtig sind.
Und Sie müssen auch nicht mit jeder Entscheidung einverstanden sein, um sie respektieren zu können.
Nach so vielen Hochzeiten als Hochzeits-DJ, Moderator und Ablaufberater weiß ich: Für Brautpaare kann es eine enorme Erleichterung sein, wenn sie sich wieder auf das konzentrieren dürfen, worum es an diesem Tag eigentlich geht.
Auf ihre Liebe. Ihre gemeinsame Feier. Und auf die Menschen, die sich ehrlich mit ihnen freuen.
Armin Bruch
DJ A.B. | DJ, Moderator und Ablaufberater
Weitere Erfahrungen, Tipps und Informationen rund um Hochzeiten und Veranstaltungen finden Sie auf meiner Blog-Übersicht.